April 2020

Reisen in Zeiten von Corona

Wieder zurück in Deutschland

 

Am 01. April sind wir aus Saigon, über Doha kommend, wieder auf deutschem Boden gelandet. Entsetzt waren wir, dass wir ohne jegliche Gesundheitskontrolle im Flughafen München wieder einreisen konnten. Stattdessen gab es ein Flugblatt mit Verhaltenstipps. Dazu später mehr.


Corona Erkrankungen

Am 07. Mai 2020 gibt es:

In Vietnam (100 Millionen Einwohner) 271 Erkrankte und keine Todesfälle.

In Deutschland (82 Millionen Einwohner) 168.162 Erkrankte mit 7.275 Todesfällen.


Was ist in Vietnam anders?

 

Anlässlich des asiatischen Neujahrsfestes, das am 23. Januar begann, waren Hunderttausende chinesische und südkoreanische Touristen in Vietnam. Davon Tausende in Nha Trang.

Als man in den internationalen und vietnamesischen Medien von dem Corona Ausbruch in Wuhan erfuhr, reagierte die vietnamesische Regierung sofort. Augenblicklich wurden die zahlreichen Flüge zwischen Wuhan und Vietnam eingestellt.

 

Dann einige Tage danach hat man alle Flüge von und nach China abgebrochen. Das gleiche wurde mit den Flügen zwischen Südkorea und Vietnam gemacht.

 


 

Jeder einzelne Corona Fall in Vietnam wird offen in den Medien publiziert und Kontaktpersonen akribisch gesucht. Desinfektionsteams reinigen sofort Wohnungen, Gebäude und Straßen, in denen Erkrankte wohnten. Jeder Verdachtsfall wird in Quarantäne genommen. Anfang März gab es erst etwa 40 Corona Erkrankungen in Vietnam, davon eine in Nha Trang.

 

 

 

 

Eine Selbstverständlichkeit in Vietnam ist, dass man unaufgefordert in allen öffentlichen Bereichen Gesichtsmasken trägt, um den anderen zu schützen. Beim Betreten von allen größeren Läden muss man sich die Temperatur messen lassen und sich seine Hände desinfizieren. Wer sich nicht daran hält wird angesprochen. Hamsterkäufe gibt es nicht.

 

Corona in Vietnam 18.03.2020
Corona in Vietnam 18.03.2020

 

Als man dann feststellte, dass am 15. März die Zahl der Corona Erkrankungen die 65 überschritten hatte, wurden neue Maßnahmen getroffen. Alle weiteren Fälle wurden von außen von Touristen oder zurückkommenden Vietnamesen eingeschleppt. Vor allem aus London und Paris.

 

Die vietnamesische Regierung ist konsequent und handelt schnell. Jeder Fall wird bis heute öffentlich bekannt gemacht, z. B. mit Tag, Flugnummer und Sitzplatz oder besuchtem Hotel, Bar oder Restaurant. Dann wird dazu aufgerufen, dass sich alle möglichen Kontaktpersonen melden, die dann zwei Wochen in Quarantäne müssen.

Seit dem 15. März gibt es einen Einreisestopp für alle Europäer und seit dem 25. März für alle Nationen.  Ab dem 30. März wurden fast alle Inlandsflüge eingestellt und die Züge um mehr als 50 % reduziert.

 

Hotels können seit dem 01. April vorläufig nicht mehr gebucht werden. Alle Restaurants und Cafés sind geschlossen, die Strände sind gesperrt. Mehr als zwei Personen dürfen zusammen nicht auf der Straße herumlaufen. Kontrolliert wird es von der ansonsten unsichtbaren Polizei.

 

Die sonst so anarchistischen Vietnamesen halten sich völlig diszipliniert daran, obwohl die wirtschaftlichen Auswirkungen sie viel härter treffen als hier bei uns. Es gibt keine staatlichen Füllhörner die Gelder über sie regnen lassen. Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld ist unbekannt.

 

 

 

 


Zurück nach Deutschland

 

Lange haben wir überlegt, sollen wir in Vietnam bleiben oder doch nach Deutschland zurückkommen. Dazu haben wir sogar Freundinnen und Freunde angeschrieben und sie um ihre Meinung gebeten.

 

Für Vietnam sprach, dass es deutlich weniger Corona Erkrankungen gibt und dass die Menschen dort Erfahrung im Umgang mit Epidemien haben. Außerdem wollten Luong und Dung, dass wir dableiben sollten.

 

 

Auf der anderen Seite hat man gerade in Krisenzeiten das Bedürfnis nach Hause zu kommen. Dafür wird auch manchmal mehr ins Risiko gegangen.

 

 

Wir entschieden uns die schon sieben Monate vorher gebuchten Flüge am 31. März bzw. 01. April zu nutzen und nachhause zu fliegen. Jeden Tag schauten wir an wie die Belegung der Flieger aussah.

 

Zuerst war es gut, da viele Plätze leer bleiben sollten. Dann wurden die europäischen Regierungen aktiv und organisierten, dass ihre gestrandeten Bürger aus anderen Ländern in allen Flugzeugen die freien Plätze belegen konnten.

 


 

Damit waren auch unsere Flieger absolut voll. Mit Mühe und Not gelang es uns noch für die Teilstrecke Doha nach München ein Upgrade zur Business Class zu buchen.

 

 

Für den 30 März hatten wir auch schon Wochen vorher den Flug mit Vietnam Airlines nach Saigon gebucht. Dieser Flug wurde dann aber viermal zeitlich an dem Tag verschoben. Also buchten wir sicherheitshalber noch zusätzlich den Morgenflug mit VietJet Air. Der Gedanke war, dass wir dann absolut auf der sicheren Seite sind. Einer wird schon fliegen.

 


Von Nha Trang nach Saigon

 

Unsere Koffer hatten wir am 29. März gepackt. In der Nacht zum 30. Februar erwachte ich um 01.30 Uhr und sah zufällig, dass zwei SMS in vietnamesischer Sprache eingegangen waren. Ich übersetzte sie mit Google Translator und erkannte, beide Flüge sind gestrichen worden.

 

 

Luong telefonierte dann mit den Call Centern der beiden Fluggesellschaften und erfuhr, dass die Regierung die Inlandsflüge stillgelegt hat. Elke und ich überlegten Alternativen, um nach Saigon zu kommen. Nachts telefonierten wir noch mit Mr. Luan, unserem favorisierten Taxifahrer. Er erklärte sich bereit uns um 07.00 Uhr morgens abzuholen und die 450 km nach Saigon zu fahren.

 

In Deutschland sind 450 km Autostrecke kein Problem. In Vietnam, bei den schlechten Straßenverhältnissen schon eher.

 

 

 

Geschlafen haben wir dann in dieser Nacht gar nicht mehr.

 

Pünktlich um 07:00 Uhr wurden wir von Mr. Luan mit seinem Mitsubishi Pajero abgeholt, der für diese Straßen wie gemacht ist.

Rund 8 Stunden später waren wir dann todmüde im vorgebuchten Grand Hotel in Saigon.

 


In Saigon

 

Für die Hotels galt es eine Gesundheitserklärung von uns ausfüllen zu lassen, die den Weg in Vietnam seit unserer Einreise beschrieb. Wir mussten dazu eine Selbstauskunft über unseren Gesundheitszustand geben, sowie Auskunft über eventuelle Kontakte zu Märkten mit Tieren oder mit Erkrankten. Das Formular hatten wir schon zwei Tage vorher zugesandt. Im Hotel wurde noch Fieber gemessen und weitere Fragen gestellt.

 

 

Der Rezeptionist erklärte mir, alle diese Daten würden digital an die Gesundheitsbehörde gesandt werden, wo sie unter unseren Passnummern, für die Ausreise gespeichert am Flughafen werden.

 

 

Bis auf uns war das große Hotel völlig leer. Wir wurden nur geduldet, da wir schon lange vorher gebucht hatten. Wie in der Stadt waren alle Restaurants im Hotel geschlossen. Nur der Zimmerservice konnte uns versorgen.

 

 

Flaniermeile Dong Khoi - ausgestorben
Flaniermeile Dong Khoi - ausgestorben

 

Die Straßen waren fast leer. Überall waren die Rollläden heruntergezogen. In den großen Shoppingmallen ging der Aufzug nur zum Lebensmittelladen, sonst war alles dicht.

 

 

Der Flug nach Doha

 

Am Nachmittag des 31. März ließen wir uns dann zum Flughafen fahren. Beim Einchecken wurde zuerst noch Fieber gemessen. Die Prozedur an der Immigration ging sehr schnell, da alle Daten elektronisch vorlagen. Unser Flieger von Qatar Airways kam aus Phnom Penh und auf der App sah ich, dass er in zehn Minuten landen würde. Aber nichts geschah. Wegen schlechten Wetter konnte er nicht landen und kehrte nach Phnom Penh zurück. Erst mit drei Stunden Verspätung ging es dann los.

 

 

 

Der Flieger, ein A350-900, war bis auf einen Platz voll. Zum Glück war der letzte freie Platz der Platz zwischen Elke und mir. Um uns herum saß ganz viel junges Party Volk, die in Thailand und Cambodia gestrandet waren und nun zurückgebracht werden sollten.

 

 

Die wenigsten trugen Gesichtsmasken oder verhielten sich zurückhaltend während des Fluges. Vor uns zwei junge Holländerinnen hatten wohl von Corona nur als mexikanische Biersorte gehört. Ich musste ihnen aus unserem Bestand die Maske richtig aufzwingen. Aber trotzdem wurde die dauernd abgesetzt.

 

 


Flughafen Doha

 

Als wir dann in Doha ankamen freuten wir uns auf das gebuchte Transithotel im Flughafen, um dort gründlich zu duschen, zu schlafen und uns umzuziehen. Eigentlich wollten wir auch auf der Rückreise einen Zwischenstopp in Doha einlegen aber die Stadt war auch seit dem 20. März für alle Ausländer gesperrt.

 

 

Gegen 02.00 Uhr morgens standen wir an der Rezeption zum Einchecken. Dort erfuhren wir, dass seit 24:00 Uhr auf Anweisung der Regierung niemand mehr dort übernachten durfte. Man versicherte uns, dass wir das Geld für das Hotel (325 Euro!) kurzfristig zurücküberwiesen bekommen werden.

 

 

Al Mourjan Lounge
Al Mourjan Lounge

 

Gleichzeitig erfuhren wir, dass unser Anschlussflug nach München auch fast drei Stunden Verspätung haben wird. Was also tun mit den 8,5 Stunden Aufenthalt. Da wir ja nach München nun Businessflüge hatten kamen wir auf die Idee dann die Businesslounge zu nutzen. Beim Betreten wurden wir aber darauf hingewiesen, dass wir zwar teure Upgrades gekauft hatten aber darin sei trotzdem kein Lounge Besuch enthalten.

 

 

Also zahlten wir pro Person noch einmal 120 USD. Zum Glück gab es dort abgetrennte Familienzimmer, mit Sofa etc. auf denen wir wenigstens etwas Schlaf nachholen konnten. Das Speisen und Getränkeangebot war ok aber bei weitem nicht so gut wie in den Lounges von Singapur Airlines.

 

 

Ab nach München

Morgens um 10:30 startete die Boeing 777 mit uns an Bord. Die Business Class von Qatar Airways mit seiner Q-Suite ist wirklich toll.

 

Gerade in Corona Zeiten ist man mit den Schiebetüren komplett zum Gang abgeschirmt.

 

Die Flugbegleiterinnen waren unglaublich nett und das Essen und die Getränke vom Besten.

 


 

Kurz nach 15:00 Uhr landeten wir in München. Dort erwarteten wir nach der Einreisekontrolle durch die Bundespolizei (keiner trug Gesichtsmasken) zu mindestens, dass bei uns Fieber gemessen würde, so wie in Asien üblich.

 

Stattdessen bekamen wir nur ein Flugblatt mit Verhaltenstipps.So etwas ist absolut falsch und leichtsinnig!

 

Der Fahrer unseres Flughafentransfers erwartete uns draußen vor dem Terminal und gegen 17.00 Uhr waren wir wieder zuhause. Schnell fuhr ich noch zum Edeka im Dorf und musste mich mit meiner Gesichtsmaske auslachen und bestaunen lassen. Meine Reaktion darauf fiel dann auch dementsprechend aus.

 

Auch der Einkauf am nächsten Morgen war gekennzeichnet durch Menschen ohne jegliches Problembewusstsein. Dicht auf dicht ohne Gesichtsmasken standen sie  im Laden an, um im Sonderangebot Trampolins zu kaufen.

 

 

 

 

 

Auch Luongs Geschäft leidet sehr stark

 

Im letzten Jahr war Luong sehr erfolgreich in einer besonderen Berufsgruppe. Durch die Vergrößerung des Internationalen Flughafens von Nha Trang wurden viele Piloten in Nha Trang fest stationiert. Diese Piloten von Vietnam Airlines, VietJet und Bamboo Airlines waren aufgrund ihres guten Einkommens in der Lage sich teurere Apartments langfristig zu mieten.

 

 

Etwa zwanzig Piloten vor allem aus Russland, Brasilien und Indonesien sind seitdem ihre Kunden. Doch die Stilllegung fast aller Routen trifft diese Klienten hart. Bei vielen hat sich das Gehalt um 50-75 Prozent reduziert. Fast alle traten an Luong heran und baten sie mit den verschiedenen Eigentümern der Wohnungen über Mietsenkungen für die nächsten Monate zu verhandeln.

 

 

Apartment im Maple
Apartment im Maple
Apartment im Virgo
Apartment im Virgo

 

Diverse Vermieter hatten sofort Verständnis dafür und reduzierten für die nächsten drei Monate um bis zu 30 Prozent die Miete, trotz gültigem Mietvertrag. Andere Vermieter, die selbst hohe Bankverpflichtungen haben, wollten sich nicht bewegen. Hier war Luong jeden Tag unterwegs um faire Kompromisse auszuhandeln. Leider verlor sie auch Klienten, die lieber auf die Rückzahlung des Deposit verzichteten, um andere Lösungen zu finden.

 

 

Neuvermietungen sind in der jetzigen Situation so gut wie ausgeschlossen. Wir hoffen aber, dass sich die Situation in Asien schneller verbessert und dass in einigen Monaten der Tourismus dort in Südostasien wieder beginnen kann.

 

 

 

Luongs Vater Hong

 

Bereits vor drei Jahren erlitt Hong einen Herzinfarkt. Ihm mussten zwei Stente gesetzt werden, was für die Familie zu einer großen finanziellen Belastung wurde. Jetzt während der Neujahrsfeierlichkeiten erlitt er einen Schlaganfall und musste ins große Krankenhaus nach Ha Tinh gebracht werden.

 

Alle anwesenden Kinder mussten täglich 12 Stunden Schichten dort absolvieren, um ihren Vater dort zu versorgen. Diese Leistung muss von den Familienangehörigen erbracht werden.

 

 

 

Hong im Hospital
Hong im Hospital

Dort stellte man zusätzlich auch ein Aneurysma am Darm fest. Das wollte man operieren für etwa 12.000 Euro!

 

Man gab ihm aber nur eine Überlebenschance von unter 50 Prozent. Die Familie bat zu warten, um eine Entscheidung zu fällen.

 

Daraufhin weigerte sich das Krankenhaus ihn weiter zu behandeln, da man nichts mehr für ihn tun könnte. Im Taxi wurde er daraufhin zurück ins Dorfhospital gebracht. Der dortige Arzt ist zum Glück der Sohn seines Freundes und kümmert sich sehr gut um ihn.

 

 

Jetzt ist er sehr schwach aber zu Hause. Keiner weiß wie lange das gehen wird.

 


Zum Abschluss

 

Es gab aber auch schöne Momente während unseres Aufenthaltes. Hier dazu noch einige Fotos und Kurzbeschreibungen.

 

 

Kuala Lumpur

 

Vom 24. bis zum 27. Februar waren wir in Kuala Lumpur. Wir besuchen die Stadt immer wieder gern. Drei Tage im guten Hotel, Shopping und ordentliche Restaurants und dann zurück nach Vietnam mit neuem Visum.

 

 

Royale Chulan Hotel
Royale Chulan Hotel
Royale Chulan Pool
Royale Chulan Pool

Petronas Towers
Petronas Towers

Mövenpick Resort Cam Ranh

 

Ende Februar beschlossen wir gemeinsam mit Luong und Dung noch einmal ein Wochenende im Mövenpick Resort zu verbringen. Wir hatten uns erneut für eine große Poolvilla entschieden. Dieses Wochenende vom 28. Februar bis zum 01. März genossen wir vollständig.